Leseprobe — vollständige Lektion
Das hier ist keine gekürzte Werbefassung. Es ist Lektion 2 aus Modul 00, exakt so, wie sie im Kurs steht — mit allen Übungen. Wenn du sie liest und danach denkst, das bringt dir nichts, dann kauf den Kurs bitte nicht.
Modul 00 — Start: Wo du gerade stehst
Die Chaos-Bestandsaufnahme
Was dein Kopfchaos dich tatsächlich kostet — in Stunden und in Euro.
ca. 12 Minuten Lesezeit
Menschen mit ADHS-typischen Mustern haben ein spezielles Problem mit Selbsteinschätzung: Wir erinnern uns überproportional an die Tage, an denen es lief. Der Hyperfokus-Dienstag, an dem du in vier Stunden das Konzept rausgehauen hast, an dem das Team zwei Wochen saß — der bleibt hängen. Die elf Tage davor, an denen du dich durch Slack gescrollt und E-Mails dreimal gelesen hast, ohne zu antworten, verschwimmen.
Das ist keine Charakterschwäche, das ist ein Messproblem. Und Messprobleme löst man mit Messungen, nicht mit Vorsätzen.
Die drei Kostenfaktoren
In der Arbeit mit Führungskräften und Consultants sehe ich immer wieder dieselben drei Stellen, an denen Zeit versickert. Sie fühlen sich alle nicht wie Zeitverschwendung an — das ist das Tückische.
| Kostenfaktor | Wie es sich anfühlt | Was es tatsächlich ist |
|---|---|---|
| Wiedereinstiegskosten | „Ich war ja nur kurz raus." | Nach jeder Unterbrechung brauchst du Zeit, um wieder in den Kontext zu kommen. Bei komplexer Arbeit oft 10–20 Minuten. Bei 8 Unterbrechungen am Tag ist das mehr als eine Stunde, die in keinem Kalender auftaucht. |
| Entscheidungsstau | „Da muss ich nochmal drüber schlafen." | Offene Entscheidungen laufen im Hintergrund weiter und belegen Arbeitsspeicher. Fünf offene mittelgroße Entscheidungen fühlen sich an wie ein voller Tag Arbeit, obwohl noch nichts passiert ist. |
| Nacharbeit durch Tempo | „Ging schnell, war produktiv." | Schnell entschieden, Detail übersehen, drei Wochen später Korrekturschleife mit vier Beteiligten. Die Nacharbeit landet nie beim ursprünglichen Termin — deshalb sieht der schnelle Termin gut aus. |
Übung: Die 12-Fragen-Bestandsaufnahme
- Nimm das Workbook, Abschnitt 0.1. Beantworte jede Frage mit einer Zahl von 0 (trifft nie zu) bis 4 (trifft fast täglich zu). Nicht überlegen — erster Impuls.
- Ich fange Aufgaben an und lasse sie unfertig liegen.
- Ich merke erst am Abend, dass ich das Wichtigste nicht angefasst habe.
- Ich verschiebe Entscheidungen, obwohl ich alle Informationen habe.
- Ich sage Ja zu Terminen, die ich später bereue.
- Ich lese dieselbe E-Mail mehrfach, ohne zu antworten.
- Ich weiß am Montag nicht sicher, was diese Woche wirklich zählt.
- Ich arbeite abends nach, weil tagsüber nichts vorwärtsging.
- Ich unterschätze systematisch, wie lange etwas dauert.
- Ich habe mehr als einen Ort, an dem meine Aufgaben stehen.
- Ich fühle mich nach acht Stunden Arbeit leer, ohne benennen zu können, was ich geschafft habe.
- Ich vermeide bestimmte Aufgaben so lange, bis sie eskalieren.
- Ich brauche nach Meetings deutlich länger als andere, um wieder reinzukommen.
Dein Ergebnis
Ein Summenwert zwischen 0 und 48 sowie die drei Fragen mit deiner höchsten Punktzahl. Diese drei sind deine persönlichen Reibungspunkte — notiere sie auf Seite 1 des Workbooks. Wir kommen in jedem Modul darauf zurück.
Der Kostenrechner
Jetzt der Teil, den viele überspringen wollen. Bitte überspring ihn nicht. Er dauert vier Minuten und er ist der Grund, warum du in Woche drei noch dabei bist.
Übung: Was dich das pro Monat kostet
- Schätze ehrlich: Wie viele Stunden pro Arbeitstag gehen bei dir durch Wiedereinstieg, Entscheidungsstau und Nacharbeit verloren? Die meisten landen bei 1,5 bis 3.
- Multipliziere mit 20 Arbeitstagen. Das sind deine verlorenen Stunden pro Monat.
- Setze einen Stundenwert an. Bei Angestellten: Bruttojahresgehalt geteilt durch 1.600. Bei Selbstständigen: dein tatsächlicher Stundensatz.
- Multipliziere. Schreib die Zahl auf. Groß.
- Optional, aber wirkungsvoll: Multipliziere mit 12. Das ist ein Jahr.
Dein Ergebnis
Eine konkrete Eurozahl im Workbook. Bei den meisten Teilnehmenden liegt sie zwischen 2.000 und 6.000 Euro pro Monat. Diese Zahl ist deine Referenz — nicht um dich schlecht zu fühlen, sondern um Prioritäten realistisch zu setzen.
Reihenfolge: Wo du anfängst
Standardweg ist Modul 1 bis 4 der Reihe nach. Es gibt aber zwei Fälle, in denen ich dir zu einer anderen Reihenfolge rate:
- Wenn du gerade nah an der Überlastung bist und morgens schon leer aufwachst: Fang mit Modul 4 (Energie) an, dann 2, dann 1, dann 3. Fokus-Systeme auf leerem Tank aufzubauen funktioniert nicht.
- Wenn dein Hauptschmerz ist, dass Entscheidungen liegen bleiben und dein Team auf dich wartet: Fang mit Modul 3 (Entscheidungen) an. Der Effekt ist sofort für andere sichtbar, und das kauft dir Ruhe für den Rest.
- In allen anderen Fällen: der Reihe nach. Modul 1 legt die Sprache fest, die in den anderen dreien benutzt wird.
„Du brauchst nicht mehr Zeit. Du brauchst weniger Reibung zwischen den Dingen.“
Lieber hören statt lesen? Sprechfassung dieser Lektion
Diese Lektion ist die einzige im ganzen Kurs, bei der ich dich wirklich bitte, sie nicht zu überspringen. Grund: Ohne Startwert kannst du später nicht unterscheiden zwischen „es fühlt sich besser an" und „es ist besser geworden". Und bei uns ist das Gefühl leider kein guter Zeuge.
Wir Menschen mit ADHS-Mustern erinnern uns überproportional an die guten Tage. Den Hyperfokus-Dienstag, an dem du in vier Stunden weggehauen hast, wofür das Team zwei Wochen brauchte. Die elf zähen Tage davor verschwimmen. Das ist kein Charakterproblem, das ist ein Messproblem.
Also messen wir. Zwölf Fragen, fünfzehn Minuten, Skala null bis vier. Erster Impuls, nicht nachdenken. Danach rechnest du kurz aus, was dich das pro Monat kostet — in echten Euro. Die Zahl ist bei den meisten unangenehm hoch.
Und die Zahl ist ausdrücklich kein Urteil über deine Vergangenheit. Sie ist ein Preisschild für deine Zukunft. Sie sagt dir nur, wie groß dein Spielraum ist.
Das Wichtigste in einem Satz
Was du nicht misst, unterschätzt du. Ein dokumentierter Startwert ist der Unterschied zwischen „gefühlt besser" und „nachweislich besser".
So sind alle 14 Lektionen gebaut
Konkret, mit Übung am Ende, ohne Motivationsgerede. Der Kurs hat 5 Module und 11 Übungen — zusammen etwa 136 Minuten Lesezeit, verteilt auf fünf Wochen.
Der Kurs ersetzt keine medizinische Diagnostik, Therapie oder Behandlung. Wenn es dir gerade akut schlecht geht, findest du unter Hilfe im Notfall Anlaufstellen.